_

Schreibwerkstatt


Wie geht Schreiben?, werde ich oft ehrfürchtig von Kindern gefragt. Keine Angst, eigentlich ist es gar nicht so schwer. Das Wichtigste ist, es einfach zu tun!

Alle tragen wir unseren ganz persönlichen Wort-Schatz in uns, den wir lebenslang erweitern und pflegen. Daraus wollen wir in der Schreibwerkstatt schöpfen und unsere Fantasie spielen lassen. Mit viel Spaß und Begeisterung entstehen großartige, spannende, aufregende, ungewöhnliche, atemberaubende, unglaubliche, witzige oder auch ernste Geschichten und Gedichte.

In gemütlicher und entspannter Atmosphäre werden die Kinder und Jugendlichen dazu angestiftet, sich auf das Abenteuer Schreiben einzulassen. Gemeinsam lassen wir uns auf kreative und spielerische Weise inspirieren und tüfteln, arbeiten und feilen an unseren Texten. Dabei unterstütze ich die jungen Schriftsteller mit Tipps und Hilfen aus meiner Erfahrung als Autorin und gebe Einblicke in meinen Arbeitsalltag.

Abhängig vom zeitlichem Rahmen und Alter der Kinder ist auch die gegenseitige Textkritik Bestandteil der Werkstatt.

Gerne können wir die Schreibwerkstatt mit einer gemeinsamen Lesung abrunden. Dabei dürfen alle jungen SchriftstellerInnen ihre geschaffenen Werke vor Publikum präsentieren. Dazu proben wir vorher im vertrauten Rahmen das gegenseitige Vorlesen, um danach wie die Profis auf die „Bühne“ zu gehen.

Auf Wunsch können die entstandenen Werke auch als echtes gedrucktes Buch erscheinen – zum Beispiel als schöne Erinnerung an das Abschlussjahr der Grundschule, Bestandteil einer themenbezogenen Projektwoche, Inhalt eines P-Seminars im Gymnasium oder als Ferienprojekt der örtlichen Bücherei.

Schreibwerkstatt für Kinder ab 9 Jahren
maximal 25 Kinder pro Veranstaltung
½-tages, Tages- oder Mehrtageskurse

Buchungen und Infos unter Kontakt






Hier das fertige Buch einer 11. Klasse aus einem Münchner Gymnasium, deren P-Seminar ich zum Thema "Erstlesebücher für Kinder - vom Entwurf bis zum fertigen Buch" bezüglich Textarbeit und Hintergrundwissen begleitet habe.
Ich gratuliere den AutorInnen und IllustratorInnen ganz herzlich zu ihrem wunderbar gelungenen Werk!!!



Kostproben entstandener Texte

Küchenrätsel
Ich bin kalt und viele Sachen haben in mir Platz. Wenn ihr mich aufmacht, dann kommt kalte Luft raus. Ich bin nie allein.

von Carolin (8)




Ich bin flüssig, weiß und werde zum Kuchenbacken gebraucht. Man kann mich zu vielen Gebäcken hinzufügen. Ich stehe im Supermarkt nicht bei den Backsachen.

von Lilly (9)

Ich bin sauer wie eine Zitrone, bin nicht gelb und keine Frucht. Ich bin sauer, aber nur, wenn man etwas vor mich hinlegt. Am Ende ist es fertig.
von Simon (10)

Ich werde zum Kuchenbacken verwendet und oft wie ein Karussell durchgeschüttelt. Aber ich bin zum Glück schwindelfrei. Ich kann mit der Hand benutzt werden, aber auch an einem Gerät befestigt werden.
von Catalina (10)

Ich schrappe durchs Brot, ich bin nämlich scharf. Auch wenn ich den Finger nicht treffen darf, passiert es mir immer wieder.
von Sophie (10)

Ich bin immer kalt, aber wenn man mich aufmacht, etwas herausnimmt und dabei zu lange braucht, werde ich wärmer und fange zu piepsen an.
von Bettina (11)

Lösung: Kühlschrank, Milch, Messer, Schneebesen, Kühlschrank, Messer    

Die Reise zum Stern der Einhörner
© Catalina (10)

„Lotta, bist du endlich fertig?“ Die laute Stimme meiner Mutter dröhnte in mein Zimmer.
„Ja, gleich!“, rief ich nach unten.
Heute war die Beerdigung meiner Oma und ich war schrecklich traurig, dass sie nun tot war. Als ich nach unten lief, sah ich meine Mutter in einem babyrosafarbenen Rüschenkleid.
„M-m-mum, das ist nicht dein Ernst!“ Ich deutete mit zittrigem Zeigefinger auf das Kleid.
„Doch, also mir gefällt es“, sagte meine Mutter.

Als wir in der Kirche waren, trauerten alle. Plötzlich sagte der Pfarrer meinen Namen. Ängstlich kam ich nach vorne und er überreichte mir etwas, das für mich wie ein Fächer aussah.

Als wir wieder zu Hause waren, war mir sehr heiß und die Klimaanlage war ausgefallen. Also wedelte ich mir in meinem Zimmer mit dem neuen Fächer Luft zu. Plötzlich verschwand der Boden unter meinen Füßen und schon bald hörte ich ein Brausen um mich herum. Bis es ein dumpfes Klonck gab.
Wo war ich? Was ging hier vor? Ich sah ein Einhorn, es war wunderschön. Als ich ein Stück weiter ging, sah ich einen Palast, der aus tausenden von Diamanten bestand. Mir klappte bei diesem Anblick der Unterkiefer nach unten. Komisch, an diesem Ort war ich noch nie gewesen.
„Hallo?“, rief ich. Vielleicht war hier jemand, den ich kannte.
„Alarm! Angriff!“, schrie plötzlich eine Stimme.
Erschrocken drehte ich mich um. Wer hatte das gerufen? Da sah ich einen kleinen Hund mit zarten Flügeln.
„Es ist nicht erlaubt, in das Königsschloss einzudringen!“, rief er.
„Das hatte ich auch nicht vor“, versicherte ich. „Ich wollte nur wissen, wo ich bin.“
„Wo du bist?“, fragte der kleine Hund. „Ha, das ist nicht dein Ernst! Du bist in Terabitia!“
[…]

Hausnummer 58
© Marius (11)

„Endlich Ferien!“, rief Marcello.
Gleich nach der Schule ging der dreizehnjährige Junge zum Café La Pasta, welches seinem Vater Giovanni del Vanca gehörte. Marcello liebte die rotbezogenen Ledersessel und die grauen Marmortische, da sie ihn an seine verstorbene Mutter Maria erinnerten.
„Hallo Papa, wie läuft das Geschäft?“, fragte er seinen Vater.
Sein Vater antwortete daraufhin: „Es läuft grandios. Magst du eine Cola haben?“
„Ja, gerne“, erwiderte Marcello.
Der Junge setzte sich zu einem alten Mann, dessen langer Bart und zerschlissene Kleidung ihn sehr ungepflegt aussehen ließen. Während Marcello auf sein Getränk wartete, konnte er seine Augen nicht von dem alten Mann abwenden.
„Sicher interessiert dich, warum ich so aussehen“, sagte der Mann mit knarzender Stimme. „Leider kann ich dir die Geschichte nicht erzählen. Hier, meine Visitenkarte, du kannst mich jederzeit besuchen. Mach’s gut.“
Er strich seinen zerrissenen Mantel glatt und hinkte aus dem Café.

Marcello sah sich verwundert die zerknitterte Visitenkarte an. Dann rannte er hinter den Tresen zum Telefon und versuchte die Nummer einzugeben, doch vergebens. Nach einiger Zeit fiel ihm ein, dass es sich um ein zwanzig Jahre altes Telefon handelte und drehte am Zahlenrad. Eine Computerstimme sagte, dass diese Nummer nicht vergeben sei.
Marcello schmiss den Hörer auf die Gabel, wandte sich um und stieß mit seinem Vater zusammen, der seine Cola in der Hand hielt.
Marcello erzählte ihm die Geschichte mit der Visitenkarte und fragte: „Können wir nicht zu diesem eigenartigen Mann fahren?“
Giovanni willigte ein. „Na, dann los zu dem komischen Kauz!“

Die Piazza di Grimbald lag nur fünf Straßen vom Café entfernt. Als die beiden ankamen, bemerkte Marcello: „Es gibt keine Hausnummer 58.“
[…]

 

© 2017 Martina Baumbach